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Festningen 2010 – Jarre live in Oslo (Teil 1)

22.09.2010 17:04 von Matthias (Kommentare: 1)

Die Generalprobe

Die Laser Harp bei der Generalprobe

Donnerstag, 26. August 2010: Eine kleine Handvoll deutscher Jarre-Fans brach auf gen Oslo, zum Konzert von Jean Michel Jarre. Normalerweise würde man für ein Konzert sicherlich nicht diesen weiten Weg auf sich nehmen, aber es war eines der wenigen Open Air-Konzerte  des Franzosen in diesem Jahr.

Das Konzert fand im Rahmen des Festivals „Festningen 2010" nur wenige Tage nach Jarres Geburtstag statt und so versuchten wir, über das Management ein kleines Treffen zu arrangieren, um ihm ein Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Leider sei Jean Michels Terminkalender in Oslo aber dermaßen voll, dass es kein Treffen geben könne, bedauerte man dort. Immerhin wurden uns Fotopässe zugesagt.

Wir nahmen auch Kontakt mit dem Veranstalter auf und versuchten etwas mehr über das geplante Feuerwerk zu erfahren. Die Skandinavier sind ein erfreulich unkomplizierter Menschenschlag und so hatten wir bald eine Telefonnummer, unter der wir uns melden sollten, sobald wir vor Ort waren. In Oslo angekommen fuhren wir mit dem Airport-Express in die etwa 50 km entfernt gelegene Innenstadt und bezogen unsere Hotelzimmer.

Dann machten wir uns erstmal auf zum Konzertgelände in der Akershus Festung. Von der Straße aus konnten wir die Bühne sehen, sowie dahinter einen großen Bus und mehrere LKWs. Schließlich fanden wir auch einen Weg auf das Gelände, das noch überhaupt nicht abgesperrt war. Auf der Bühne wurden fleißig Scheinwerfer montiert. In der Mitte des Geländes stand ein Zelt, in dem das Mischpult aufgebaut wurde. Im hinteren Teil des Geländes und hinter dem Mischpult-Zelt wurden Zelte für die Gastronomie aufgebaut. Über den Zelten hinter dem Mischpult befand sich eine Konstruktion, auf der zahlreiche Scheinwerfer angebracht waren. Jeder davon befand sich in einer mit Luft aufgeblasenen Kunststoffkuppel, wohl zum Schutz vor Regen. Links von der Bühne befand sich ein eingerüstetes Gebäude, an dem oben eine noch zusammengebundene Leinwand hing. Unten standen noch einige Scheinwerfer. Zwischen diesem Gebäude und der Bühne führte ein Weg in den Backstagebereich, in dem ebenfalls zahlreiche Zelte aufgebaut wurden. Von Jarre & Co. war nichts zu sehen. Ein kurzer, aber heftiger Regenschauer ging über dem Gelände nieder. Sämtliche Wetterprognosen erwiesen sich als absolut unbrauchbar. Das Wetter war einfach extrem wechselhaft.

Freitag, 27. August 2010: Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir einen kleinen Stadtspaziergang und gelangten bis zur Oper, einem eindrucksvollen, sehr modernen Bau direkt am Wasser, auf dessen Dach man sogar herumspazieren kann. Wir riefen den Chef-Feuerwerker an, der mit uns für den späten Nachmittag einen Termin ausmachte. Zuvor habe er noch ein Treffen mit Jean Michel. Wieder auf dem Konzertgelände, lief uns hinter der Bühne Jarre-Techniker Patrick Pelamourges über den Weg. Er war gut gelaunt und meinte, alles liefe gut und es gäbe keine Probleme. Auch das Wetter sei kein Problem, meinte er auf unsere Frage.

Als wir nachmittags wieder auf das Gelände wollten, war der Zugang abgesperrt worden. Wir stellten uns an der Absperrung auf und beobachteten das Treiben auf dem Gelände. Das Zelt für das Mischpult war offenbar zu hoch gebaut worden, denn es wurden einige Gerüststangen wieder entfernt, so dass es den Zuschauern hinten nicht so stark die Sicht nehmen würde. Patrick war nun auf der Bühne und sorgte für den Aufbau der Instrumente.

Nach einem weiteren kurzen Telefonat kam dann tatsächlich Espen Kolstad, der Cheffeuerwerker des Konzertes mit einem Kollegen zu uns. Alles dürften sie uns nicht verraten, meinten sie. Sie zeigten uns aber auf einem Plan, wo das Feuerwerk aufgebaut werden sollte. Fünf Hebebühnen seien hinter der Bühne aufgebaut, um von dort Feuerwerk abzuschießen. Zudem gebe es drei Positionen im Hafen, davon sogar eine auf dem Wasser. Jean Michel habe wohl die Befürchtung, dass sie das Feuerwerk zu hoch schießen wollten. Das Treffen mit Jarre hatte aber noch nicht stattgefunden, es sei für 19 Uhr angesetzt und der Soundcheck solle dann um 20 Uhr beginnen. Das Konzept sei anders als in Santiago, da hier ja keine Kathedrale im Hintergrund stehe. Es sei eher etwas an das Konzert in Marokko angelehnt. Neben den Aufnahmen von Santiago hätten sie sich auch Aufnahmen vergangener Konzerte auf YouTube angesehen. Das Gelände in Oslo sei aber insgesamt sehr schwierig. Auch das Wetter sei ein Problem. Bei einer Luftfeuchtigkeit von mehr als 75 Prozent gäbe es nur noch Rauch. Die Synchronisation zur Musik geschehe mittels SMPTE-Timecodes. Espen erzählte, dass sie ein neues Steuerungssystem namens „Galaxis" aus Deutschland verwenden würden. Die meisten anderen Feuerwerker weltweit würden ein uraltes amerikanisches System verwenden. Aber in Europa wäre ein europäisches System natürlich besser, vor allem, da das amerikanische System eine andere Anzahl „Frames" verwende als ein europäisches. So sei mit einem europäischen System die Synchronisation mit dem Timecode der Musik einfacher, da hier die gleiche Anzahl „Frames" verwendet würde. Espen sagte noch, er dürfe uns nicht verraten, bei welchen Stücken es Feuerwerk geben würde, aber es seien mehr als zwei und weniger als fünf. Auf die Frage, ob denn auch das Schloss einbezogen würde, meinte er nein, man habe erst überlegt, es bunt anzuleuchten, aber Jean Michel wolle nicht, dass die Aufmerksamkeit der Leute von der Bühne abgelenkt werde. Aufgebaut werden sollte alles am Samstagnachmittag. Als wir Espen erzählten, dass wir zum ersten Mal in Norwegen seien, meinte er, dass es zwischen Norwegern und Deutschen sowieso ein besonderes Verhältnis gäbe. Die Deutschen würden gerne nach Norwegen kommen und umkehrt seien die Deutschen auch bei den Norwegern sehr beliebt. Schließlich verabschiedeten wir uns. Die Stelle, an der unser Treffen stattgefunden hatte, wurde nun vom Militär geräumt, denn in der Festung befindet sich u.a. auch das Verteidigungsministerium. Durch kurzfristige, geschickte Verhandlungen war es uns aber gelungen, Armbänder zu bekommen, die uns den Zutritt zur Generalprobe ermöglichten.

Die Musiker waren schon auf der Bühne. Ich winkte Claude Samard zu und überrascht winkte er zurück. Ringsum wurden Lichter getestet, auf der Leinwand waren Gitternetze und der Schriftzug „Jean Michel Jarre" zu sehen. Nebelmaschinen wurden mit einem Kleinbus mit deutschem Kennzeichen herangefahren und am hinteren Ende des Platzes installiert.

Jarre probte sehr ausführlich, obwohl er nicht alle Stücke, sondern nur etwa die Hälfte spielte. Es wurden aber alle Instrumente getestet: Theremin, Laser Harp, Akkordeon, Umhängekeyboards... Wir merkten hier wirklich, dass mindestens 90 Prozent der Musik tatsächlich live gespielt wird. Teilweise gab es lange Pausen zwischen den Stücken, manche wurden auch nur teilweise gespielt (Chronologie 6, Oxygene 2). Immer wieder gab es auch Aussetzer in den Boxen.

Nach über zweieinhalb Stunden schien Jarre dann fertig zu sein. Wir gingen backstage und sahen Francis Rimbert zwischen den Zelten stehen. Er sagte, sie würden noch einmal für etwa eine Stunde auf die Bühne gehen und proben. Dazu kam es dann aber doch nicht. Die Musiker waren irgendwann verschwunden, aber Jarre war noch da. Auf der Bühne waren Jarres Instrumente auf einem Podest aufgebaut worden, dass man hin und her schieben konnte. Das wurde nun geübt, denn vor Jarre würden ja noch einige andere Gruppen auftreten und dabei sollte das Podest dann nach hinten geschoben und durch einen Vorhang verdeckt werden.

Schließlich sahen wir, dass das Schloss sehr wohl mit einbezogen werden würde: Von den Spitzen der beiden Türme schossen nämlich grüne Laserstrahlen über das Gelände.

Wir warteten, um Jarre vielleicht doch unser Geschenk zu übergeben, als es plötzlich in Strömen zu regnen anfing. Wir stellten uns in einem leeren Zelt unter. Schließlich wurde Jarre mit einem Schirm zum Auto gebracht, aber wegen des Regens ließen wir unsere geplante Aktion ausfallen. Das Auto hielt nochmal vor der Bühne und wir sahen, dass Jarre noch einige Fotos machte. Wir winkten ihm zu und er winkte auch tatsächlich zurück.

 

Oslo I

  • Erster Blick auf das Konzertgelaende
  • Aufbauarbeiten
  • Soundmix-Zelt
  • Das Gelaende
  • Die Buehne
  • Stromversorgung
  • Backstage
  • Brummi
  • Interessantes Equipment...
  • Tribuenenbau
  • Baumbeleuchtung
  • Wasserdichte Scheinwerfer
  • Wetterkapriolen
  • Nach dem Regenschauer
  • Die Laser Harp
  • Claude im Gespraech mit Jean Michel
  • Musikalische Feinabstimmung
  • Soundcheck
  • Totale
  • Besprechungen
  • Licht-Test
  • Akkordeon-Test
  • Laser Harp-Test
  • Die Akershus-Festung von der Seeseite aus

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Kommentar von Jeanbatman | 28.09.2010
Great review ! Thanks very much.
This concert looked awesome !

Auf wiedersehen,
Jean-baptiste.