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Jean Michel Jarre - In>Doors 2009 Teil 1: Koblenz, 28.5.2009

05.06.2009 13:59 von Matthias (Kommentare: 1)

Konzertbericht von Matthias

"In>Doors" in Koblenz

Nach gerade einmal einem Jahr war Jarre wieder auf Tournee. Nur ein einziger Termin für Deutschland war angesetzt – in Koblenz. Dies sollte mein erstes Konzert dieser „In>Doors“-Tour werden. In den Internetforen wurde schon kontrovers über die Tour diskutiert. Trotz gewisser Skepsis entschloss ich mich, dies alles zu ignorieren und mir selbst ein Bild zu machen. Ich wurde nicht enttäuscht. Nachmittags ging es los von Frankfurt nach Koblenz. Für den Fanclub sollte ein Fotopass bereitliegen. Ein Freund von mir, der sehr gut Fotografieren kann, würde für uns die Bilder machen. An der Halle angekommen, waren die Eingänge noch verschlossen, aber an der linken Seite gab es eine Art Schnellrestaurant, von dem auch eine Tür in die Halle führt. Dort standen mit wichtiger Miene Security-Leute, die niemanden hinein ließen, außer vereinzelt Leute, die zur Toilette mussten. Nach einiger Zeit begann Jarre mit dem Soundcheck. Die Besucher konnten dabei durch die Glastüre von schräg hinten auf die Bühne sehen und z.B. das Testen der Laser Harp beobachten. Auch war die Musik sehr laut zu hören. Schließlich bekamen wir unseren Fotopaß und kurz darauf wurden auch die Eingänge geöffnet. Ich deckte mich erstmal mit Merchandising ein, dann begaben wir uns langsam auf unsere Plätze, während Waiting For Cousteau in der Halle erklang. Einige Jarrelooker saßen in der ersten Reihe, genau vor der Laser Harp. Die Plätze von meiner Frau und mir waren jedoch auf der hinteren Tribüne. Die Halle war leider nicht ausverkauft, an den Seiten blieben noch einige Plätze frei. Der Bühnenaufbau war vergleichbar mit dem der „Oxygene In Concert“-Tour im letzten Jahr: Dominique Perrier ganz links, dann Claude Samard, der diesmal aber noch Pads und Schlagzeuge bediente und ganz rechts dann Francis Rimbert. In der Mitte der Bühne war die Laserharp postiert. Die Security achtete sehr genau darauf, dass niemand zu nahe an die Bühne oder die davor aufgestellten Scheinwerfer herankam. Da das Hallendach teilweise aus Fenstern bestand, war der Konzertbeginn schon um eine halbe Stunde nach hinten verlegt werden auf 21:30 Uhr. 

Dann war es endlich soweit. Die Hallenbeleuchtung erlosch und man sah vier dunkle Gestalten auf die Bühne huschen. Tiefe Synthiesounds ertönten. Mit Industrial Revolution Part 2 begann das Konzert mit einem ungewöhnlichen Eröffnungsstück. Ein grüner Laserfächer, durch den Nebel waberte, erschien auf der rechten Seite der Bühne. Der eigentlich sehr effektvoll inszenierte Auftritt Jarres gelang hier allerdings nicht so gut. Da immer noch letztes Tageslicht durch die Fenster in der Hallendecke fiel, war der Laser nur relativ schwach und man konnte Jarres Gestalt sehr deutlich sehen. Das war eigentlich nicht beabsichtigt, denn zuerst sollte nur seine Hand auftauchen, die er durch den grünlichen Lasernebel steckte, dann der Kopf und schließlich sollte er durch den Laser hindurch ins Blickfeld des Publikums treten. Das tat der Stimmung der Zuschauer aber keinen Abbruch. Der Meister wurde mit lautem Beifall begrüßt. Versehen mit dem brandneuen Roland AX-Umhängekeyboard legte er dann auch gleich ein tolles Solo hin. Einige Besucher fanden den Sound zu laut oder zu höhenlastig. Ich fand die Musik auf meinem Platz in der Mitte der Tribüne aber kristallklar und genau richtig in der Lautstärke. Wie Jarre vorab angekündigt hatte, befand sich das Soundsystem hinter der Bühne, die dadurch auch von der Seite angeleuchtet werden konnte.

Es folgte der erste Teil von Magnetic Fields 1. Jarre, mit weißem Schlabberhemd, Jeans und Turnschuhen bekleidet, begab sich hierzu in seine „Keyboard-Burg“ in der Mitte der Bühne. Die Bühne wurde in blaues Licht getaucht und weitere Laser kamen zum Einsatz.

Das nächste Stück war Equinoxe 7, nach wie vor eines meiner Lieblingsstücke. Die Laser bildeten hier den Mittelpunkt der Lichtshow und wurden zu verschiedenfarbigen Fächern aus mehreren Strahlen, die sich über den Köpfen des Publikums drehten. Im Hintergrund fuhr langsam eine große Leinwand nach oben, die rot angestrahlt wurde.

Danach begrüßte Jarre das deutsche Publikum. Er sagte, er freue sich, in Koblenz zu sein und dass sie am Beginn einer Welttournee stünden (hoffentlich wird es diesmal wirklich eine) und dass er hoffe, das Publikum würde genauso viel Spaß haben wie sie auf der Bühne.

Jarre begab sich nun zum rechten Bühnenrand und malträtierte einmal mehr, in grünliches Licht getaucht, das Theremin. Eines der ältesten elektronischen Instrumente, reagiert es auf Veränderungen des elektrischen Feldes, die man durch Annäherung der Hände an zwei Antennen erzeugt, mit denen Lautstärke und Tonhöhe reguliert werden. Jarre versucht sich ja seit nunmehr 12 Jahren an diesem, zugegebenermaßen schwer zu spielenden Gerät. Das Ergebnis ist meist recht gewöhnungs­bedürftig. Allerdings konnte sich sein recht behutsames und ruhiges Spiel diesmal durchaus hören lassen.

Es schloss sich ein weiterer Klassiker an: Oxygene 2. In hellblaues Licht getaucht, fabrizierte Jarre Soundeffekte an seinen alten EMS-Synthis. Eine Reihe gigantischer Scheinwerfer über der Bühne tauchte die Szenerie dann in purpurfarbenes Licht, während dichter Nebel zu Jarres Füßen waberte. Unwillkürlich musste ich hier an eine Hexenküche denken, in der der Hexenmeister gerade etwas zusammenbraute. Für Erheiterung im Publikum sorgte, dass dabei auch der vor der Bühne sitzende Security-Mann völlig im Nebel verschwand.

Nun kam es buchstäblich zu einem „Highlight“, denn die Laser Harp trat in Aktion für Rendez-Vous 3, das Jarre seit über 20 Jahren nicht mehr bei einem Konzert gespielt hatte. Mittels eines Fußpedals konnte er dabei die Oktavierung verändern, was durch ein Rotieren der Laserstrahlen auch optisch sichtbar wurde. Dem Vernehmen nach hatte es beim letzten Konzert in Brüssel wohl massive Probleme mit der Laser Harp gegeben. Hier funktionierte sie aber einwandfrei und wurde auch zweifelsfrei live gespielt. Ein rot angestrahlter Jarre griff mit weißen Handschuhen in die grünen Laserstrahlen und erzeugte dadurch Klänge. Immer wieder faszinierend!

Weiter ging es dann mit Oxygene 12, dieses Mal ohne den Film über die Zyklen des Lebens, dafür mit Lichtmustern auf der großen Leinwand im Hintergrund und aufgefächerten Laserstrahlen in verschiedenen Farben. Jarre flitzte über die Bühne und animierte das Publikum zum Mitklatschen, bevor er wieder zu seinen Keyboards ging und sein Solo spielte. Die großen Scheinwerfer vor und über der Bühne schickten gigantische rote Lichtfinger über die Köpfe des Publikums.

Nun wurde es etwas ruhiger: Souvenir Of China erklang, das bei fast jedem Jarre-Konzert zu hören ist. Hier gab es wieder einmal eine neue Basslinie zu hören. Grünliche und gelbe Laserkegel, durch die der Nebel waberte, sorgten auch optisch für passende Stimmung.

Im Anschluss stellte Jarre seine Mitmusiker vor.

Ein großer Jarre-Hit kam als nächstes: Magnetic Fields 2. Ich kenne viele Live-Versionen dieses Stücks, aber für mich kam keine je wirklich an die Version auf dem Studio-Album heran. Diese hier tat es! Das Ding rockte wirklich. Die großen Scheinwerfer schickten eine ganze Batterie heller blauer Lichtstrahlen durch die Halle.

Als nächstes wurde Oxygene 5 gespielt. Der ruhige Part war nur ganz kurz zu hören, bis Jarre seinen Sequencer programmiert hatte. Dann setzte der markante Basslauf ein und Jarre bewaffnete sich mit einem weiteren „Synthi-Urgestein“: dem Moog Liberation, auf dem er wie ein Rockgitarrist ein wildes Solo hinlegte. Nahtlos ging es dann über in Variation III, einem der neuen Stücke, die auf der 2007 erschienenen DVD „Oxygene – Live In Your Living Room“ zu hören sind. Die Bühne wurde in rotes und blaues Licht getaucht und nur ein einzelner Laser kam dezent zum Einsatz.

Als nächstes erklang der Klassiker Equinoxe 4 und nun gab es für das Publikum kein Halten mehr: Die Zuschauer sprangen auf! Es war überhaupt eine für deutsche Verhältnisse Bombenstimmung in der Halle! Blau, grün und violett schwenkten die Laserfächer über dem  Publikum hin und her, während die Bühne in weißes und rotes Licht getaucht wurde.  

Mit Equinoxe 5 ging dann ein sehnlicher Wunsch viele Fans in Erfüllung, denn auch dieses Stück wurde zuletzt beim Docklands-Konzert 1988 live gespielt. Auch für mich war es das erste Mal, dass ich diese tolle Nummer live hören konnte! Ein netter Gag war, dass auf einigen der Scheinwerfer, die im hinteren Teil der Bühne auf und ab fuhren, das Equinoxe-Männchen zu sehen war. Jarre schlug auch immer wieder auf die kleinen Becken, die zu beiden Seiten seiner Keyboards befestigt waren und huschte zwischen seinen Geräten hin und her. Die großen Scheinwerfer über der Bühne leuchteten in den verschiedensten Farben in und über das Publikum.

Beim folgenden Chronologie 6 kamen wieder bunte Laserfächer zum Einsatz. Jarre wuselte inmitten seiner Keyboard-Burg herum und animierte das Publikum zum Mitklatschen und Aufstehen, bevor er hinter einem der Laserfächer verschwand. Schließlich tauchte er dann mit seinem berühmten roten Akkordeon wieder auf und lief fast wie in guten alten „Europe In Concert“-Zeiten kreuz und quer über die Bühne. Auch das Akkordeon war eindeutig live gespielt und die Stimmung in der Halle wurde immer besser.

Mit einer neu arrangierten Version von Chronologie 2 heizte Jarre dann noch mal richtig ein. Das Stück klang so bombastisch, dass ich das Gefühl hatte, das Hallendach fliegt gleich weg, insbesondere als noch der Chorsound dazukam. Die großen Scheinwerfer vor und über der Bühne gaben nun alles und auch die Laser feuerten, was das Zeug hielt. Mit Donnerschlägen und blitzenden Stroboskopen endete das Stück. Jarre und die Musiker gingen erst einmal von der Bühne ab. Doch durch den Beifall des Publikums ließen sie sich recht schnell wieder zurücklocken.

Weiter ging es mit dem Jarre-Hit überhaupt: Oxygene 4. Jarre hüpfte wie ein Derwisch auf der blau beleuchteten Bühne herum. Das Publikum strömte nach vorne Richtung Bühne und ließ sich von der Security nicht mehr auf die Plätze zurückschicken. Allerdings durfte nach wie vor niemand direkt vor die Bühne, vermutlich wegen der dort aufgebauten großen Scheinwerfer. Überhaupt kam sich die Security sehr wichtig vor und tat eigentlich alles, um aufkommende Stimmung zu unterdrücken. Das Publikum jubelte trotzdem wie toll.

Jarre nahm nun aber etwas Tempo zurück und spielte als nächstes Calypso 3, zuletzt live aufgeführt beim legendären Paris La Défense-Konzert 1990. Die großen Scheinwerfer schickten nun grün-violette Lichtsäulen zum Hallendach. Jarre war zunächst inmitten seiner Keyboard-Burg beschäftigt, bevor er sich wieder den Roland AX umhängte und nochmal ein tolles Solo hinlegte.

Mit dem nächsten Stück schien nun nicht nur das Hallendach, sondern auch noch die Wände wegzufliegen: Rendez-Vous 2! Eigentlich ob seines puren Bombastes eher ein Stück für draußen, war die Umsetzung in der Halle doch ziemlich genial. Auch hier gab die Licht- und Lasershow noch einmal alles. Von der Seite wurde die Bühne in rotes, gelbes und violettes Licht getaucht. Gigantische rote Lichtfinger der großen Scheinwerfer blitzen immer wieder auf und wanderten über das Publikum. Auch die Laser feuerten wieder in den verschiedensten Farben. Und als Jarre dann wieder nach seinen weißen Handschuhen griff war klar, dass gleich wieder die Laser Harp zum Einsatz kommen würde. Für das Finale des Stückes gab die Lichtshow nochmal alles: Gleißendes Licht erfüllte die ganze Halle.

Noch einmal ertönte kurz Industrial Revolution 2 und der grüne Laserfächer vom Beginn des Konzertes erschien wieder. Jarre winkte noch einmal in alle Richtungen bevor er sich dann langsam hinter den Laserfächer zurückzog, bis wieder nur noch seine Hand zu sehen war. Dieses Mal wirkte der Effekt deutlich besser, denn nun war es auch draußen richtig dunkel und es fiel kein störendes Licht mehr in die Halle. Eine nette Idee: Der Kreis war geschlossen, das Konzert zu Ende. Doch noch einmal ließ sich Jarre dazu bewegen auf die Bühne zu kommen und er spielte noch mal Oxygene 4. Wild auf der Bühne herumhüpfend hatte Jarre  mindestens ebensoviel Spaß wie das tanzende und mitklatschende Publikum. Ein Fan sprang schon seit einiger Zeit neben der vordersten Sitzreihe herum (vor die Bühne durfte er ja nicht) und schwenkte seine Oxygene- und Equinoxe-Vinylplatten über dem Kopf in Richtung Jarre. Fiona, Jarres Managerin, die vor der Bühne stand und fotografierte (wobei selbst sie zweimal von der Security weggeschickt werden sollte), drehte sich zu ihm um, knipste ihn und reckte dann den Daumen nach oben. Ich konnte sie kurz ansprechen und sie sagte mir, Jarre würde nachher für Autogramme zum Seitenausgang der Halle kommen.

Als wir nach dem Konzert die Halle verließen, kam eine Frau nach draußen gelaufen, die noch jede Menge Plakate über dem Arm trug, die sich die Besucher mitnehmen konnten.

Dann machten wir uns auf den Weg zur Seite der Halle. Die Security musste nun wieder einmal zeigen, wie wichtig sie war und drängte die Fans zurück bis zur Einfahrt. Von hinten sah man den Bus der Musiker vor den Seiteneingang fahren und viele der Wartenden meinten: „Der steigt jetzt ein und fährt weg!“. Nach einer guten halben Stunde kamen Jarre und die anderen Musiker dann aber tatsächlich zu den Fans gelaufen!

Ich ließ Jarre auf dem Programmheft und dem Plakat unterschreiben. Samard, ohnehin meist völlig unauffällig, ging mir hier irgendwie völlig durch die Lappen. Ich ging zu Fiona und gab ihr eine CD mit Fotos vom Frankfurt-Konzert im vergangenen Jahr, sowie einen Abzug eines Fotos von ihr und mir, das auch im Vorjahr entstanden war. Entzückt rief sie aus, sie wolle das in ihrem Büro aufhängen… ;-)

Dann unterhielt ich mich noch etwas mit Francis Rimbert. Er signierte ebenfalls Plakat und Programmheft (letzteres sogar mit „For the fanclub“, was ich aber erst nach meiner Rückkehr aus Zürich(!) realisierte). Anschließend hielt ich ihm noch das Cover seiner Solo-DVD zum Signieren unter die Nase. Da war er nun völlig begeistert: „Oh, you have this???“ Er konnte es gar nicht fassen, dass ich seine DVD hatte und schrieb auch noch ein „thanks“ darauf. Ich sagte ihm, dass wir auch in Zürich sein würden und verabredete mit ihm ein Treffen dort. Dann ließ ich Dominique Perrier unterschreiben und packte CD-Booklets seiner Projekte „Space Art“ und „Stone Age“ aus. Auch er geriet in Verzückung: „Trés jolie!“ rief er aus, stupste Rimbert mit dem Ellbogen an und hielt ihm das Space Art-Cover unter die Nase. „Oh, one of the best albums in the world!“, rief dieser daraufhin aus. Schließlich stieg die ganze Truppe in den Bus und fuhr ab. Und bei uns begann schon die Vorfreude auf Zürich…

Setlist:

  • Industrial Revolution Part 2
  • Magnetic Fields 1 Part 1
  • Equinoxe 7
  • Oxygene 2
  • Rendez-Vous 3
  • Oxygene 12
  • Souvenir Of China
  • Magnetic Fields 2
  • Oxygene 5
  • Variation III
  • Equinoxe 4
  • Equinoxe 5
  • Chronologie 6
  • Chronologie 2
  • Oxygene 4
  • Calypso 3
  • Rendez-Vous 2
  • Oxygene 4
  • Koblenz, 28.05.2009 001
  • Koblenz, 28.05.2009 002
  • Koblenz, 28.05.2009 003
  • Koblenz, 28.05.2009 004
  • Koblenz, 28.05.2009 005
  • Koblenz, 28.05.2009 006
  • Koblenz, 28.05.2009 007
  • Koblenz, 28.05.2009 008
  • Koblenz, 28.05.2009 009
  • Koblenz, 28.05.2009 010
  • Koblenz, 28.05.2009 011
  • Koblenz, 28.05.2009 012
  • Koblenz, 28.05.2009 013
  • Koblenz, 28.05.2009 014
  • Koblenz, 28.05.2009 015
  • Koblenz, 28.05.2009 016

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Kommentar von markus w | 11.06.2009
hallo ,ich fand das concert top besser gehts nicht ,erstaunlich das es gerade koblenz war warum nicht frankfurt a/main

aber ok -unter youtube kann man ebenfalls noch mal highlights sehen
mfg aus main kinzig kreis