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Jean Michel Jarre live in Monaco (Part 2)

18.07.2011 09:33 von Matthias (Kommentare: 5)

Chronologie 1: Die acht Türme wurden in rotem Licht angestrahlt und wirkten dadurch wie die Raketenstartrampen auf Cape Canaveral. Die LED-Schirme waren schon bei Tag kaum an den Türmen zu sehen gewesen, nun leuchteten sie aber hell in die Nacht. Grobpixeliges Bildrauschen war auf ihnen zu sehen, nur einer zeigte eine Nahaufnahme von Jarre. Die „augenförmigen“ Scheinwerfer schienen zu rotieren und richteten ihre Lichtfinger auf die Gebäude am Ufer. Nur kurz erklangen die Soundeffekte am Anfang, dann legte Jarre auch schon mit der Hauptmelodie los. Dem Streichersound fehlte ein wenig der Echo-Effekt, der auf dem Album dem Stück erst so richtig die epische Breite gibt, dennoch war es ein grandioses Eröffnungsstück, mit Pauken, Chor- und dröhnenden Synthi-Sounds. Leider fehlte hier der 100köpfige Chor aus Berlin… Mit Einsetzen des Chorsounds leuchteten am Ende des Hafens nun Skytracker auf, die dem ganzen eine enorme räumliche Tiefe gaben. Denn auf den Mauern, die links und rechts die Hafeneinfahrt begrenzten, waren insgesamt vierzehn, seitlich der Bühne nochmals zwei weitere Hebebühnen platziert, auf denen sich diese großen Scheinwerfer befanden, die nun über den ganzen Hafen hinweg in den Nachthimmel leuchteten. Die Türme wurden jetzt weiß angeleuchtet, während rote „Pixel“ auf den LED-Schirmen flimmerten.
Nun schoss auch schon das erste Feuerwerk in den nächtlichen Himmel über Monaco! Violette Fontänen sprühten mehrfach von den Gittertürmen nach oben. Die Rauchwolken blieben am Himmel stehen und wurden von den Scheinwerfern angeleuchtet. Weiteres Feuerwerk stieg auf. Das war schon ein spektakulärer Auftakt nach Maß! Dabei ahnten wir noch nicht, was uns pyrotechnisch noch alles erwarten sollte. Mit einem letzten „Schuss“ Feuerwerksfontänen war das Stück dann auch viel zu schnell schon wieder vorbei.
Wir hatten eine gute Position direkt am vordersten Rand der Promenade, so dass wir über die Köpfe der Zuschauer auf dem Parkplatz hinwegsehen konnten. Die Lautstärke der Musik war angenehm, ja fast ein wenig leise zu Beginn. Ich hätte mir das Ganze jedenfalls deutlich lauter vorgestellt, aber wir waren ja auch ein Stück weg. Für die Leute, die das ganze von ihren entfernten Häusern in den Bergen beobachteten, wurde die Musik auch live von Radio Monaco übertragen.

Jarre begrüßte nun das Publikum zu diesem „außergewöhnlichen Anlass“, wie er sagte. Er wies daraufhin, dass Millionen Menschen am Fernseher oder Computer in diesem Moment live dabei waren. Schließlich hieß er, ziemlich stark stotternd, das frisch verheiratet Paar auf der Bühne willkommen: Albert und Charlene. Albert begrüßte die Monegassen, Einwohner und Besucher mit „Bonsoir Monaco“ zu diesem „außergewöhnlichen Konzert“ und dankte ihnen für ihre Anwesenheit. Auch er begrüßte alle Zuschauer am Fernsehen oder übers Internet und wünschte ihnen viel Spaß. Ausdrücklich dankte er auch „seinem Freund“ Jean Michel (und seinem Team) für den „unglaublichen Abend“, den er ihnen bot. Schließlich ergriff auch die frischgebackene Fürstin das Wort: Sie bedankte sich mehrsprachig bei allen für die Liebe und Unterstützung. Sie werde diesen Moment für immer im Herzen behalten. „Viva Monaco!“ „Und nun überlassen wir Euch der Magie von Jean Michel Jarre!“ riefen beide. Jarre umarmte die Brautleute zum Abschied.

Musikalisch und showmäßig ging es dann zunächst relativ unspektakulär mit „Oxygene 2“ weiter. Röhrenförmige Gebilde bewegten sich über die Projektionsschirme und ließen die Türme wie eine gigantische Raffinerie aussehen. Zwischen den augenförmigen Scheinwerfern leuchteten noch farbige „Lichterketten“ auf, die zu den Augen noch eine lange „Nase“ hinzufügten. Als zum ersten Mal die schnelle Chorus-Melodie einsetzte, schienen zwei Sequenzen irgendwie auseinander zu laufen. Der Rest des Stückes lief aber ohne Probleme ab.
Hinter uns im Publikum gab es Bewegung: eine ältere, französischsprechende Dame mit ihrer Begleiterin drängte sich, wortgewaltig auf ihren wehen Fuß hinweisend, durch die Menge und wollte offenbar bis ganz nach vorne in die erste Reihe und dort ihr Klapphöckerchen aufstellen. Wir waren aber, nachdem wir stundenlang unsere gute Fotoposition in der ersten Reihe verteidigt hatten, nicht gewillt, irgendjemanden vorzulassen. Das sorgte für lautstarke Entrüstung bei den Damen, aber das war uns egal. Zu spät kommen und dann ganz nach vorne gelassen werden wollen – so was haben wir ja gerne. Zum Dank trat uns die Dame dann mit ihrem ach so schmerzenden Fuß immer wieder mal, während ihre Begleiterin mir hin und wieder auf die Schulter tippte, was besonders gut kommt, wenn man gerade fotografiert… Zum Glück verschwanden die beiden dann vor den Zugaben wieder. Mit unserer deutschsprechenden, französischen Nachbarin zur Linken unterhielten wir uns dagegen sehr nett.

Als nächstes stand nun Magnetic Fields 1 auf dem Programm. Wie schon bei der Tour gab es hier viele blinkende Lichter und Stroboskope. Die Turmgestelle wurden in unterschiedlichen Farben angeleuchtet. Auf den LED-Wänden tauchten Rechtecke auf, in denen nacheinander Querlinien flimmerten. Überhaupt setzte Jarre bei diesem Konzert sehr auf abstrakte geometrische Muster als Projektionen oder, wie die Deutsche Presse-Agentur schrieb: „Musik wie in einem Action-Film, geometrische Lichteffekte wie ein Bildschirmschoner“. Auch die „Augen“ leuchteten wieder auf, während die Skytracker an der Hafeneinfahrt über den Himmel schwenkten. Anschließend stellte Jarre seine Mitmusiker (Jerome, Claude und Francis) vor.

Mit Equinoxe 5 ging es weiter. Jarre animierte das Publikum wieder zum Mitklatschen. Auf den nun blau angeleuchteten Türmen erschienen orangefarbene quadratische Felder, die stark an Rubiks Zauberwürfel erinnerten, während die Suchscheinwerfer der „Augen“ langsam über die Bühne strichen. Auch Laser in blau und grün kamen zum Einsatz, waren von unserer Position aber nicht so gut zu sehen. Schließlich kam auch wieder Feuerwerk zum Einsatz. Ein paar „Blumen“ erblühten am Nachthimmel, während Raketen von links nach rechts und von rechts nach links in den Himmel stiegen, deren leuchtende Bahnen sich überkreuzten. Zum Ende stieg noch ein ganzer Schwarm senkrecht in den Himmel.

Während die „Augen“ rot glühten, kam nun erstmals die Laser Harp zum Einsatz. Hier gab es etwas Schwierigkeiten. Zum einen war die Harp in Höhe der Bühne nur ziemlich schlecht zu sehen. Erst ein ganzes Stück höher im Nachthimmel konnte man die grünen Strahlen gut erkennen. Auch gab es offensichtlich wieder Schwierigkeiten mit der Ansteuerung des Synthex durch die Laser Harp, denn es erklangen einige Töne, die da eigentlich nicht hingehörten. Ob es nur an technischen Problemen lag oder Jarre sich auch mal ein bisschen verspielte, ist schwer zu sagen. Immerhin kann man sicher sein, dass die Laser Harp live gespielt wurde. Die Türme und die Bühne, die einen durchsichtigen Boden hatte, wurden in rotes Licht getaucht.

Mit Magnetic Fields 2 ging es nun weiter. Hier gab es auf den Bildschirmen Live-Aufnahmen der Musiker zu sehen, die aber mittels einer neuartigen Software in Echtzeit verfremdet wurden. Ähnliches hatte Jarre schon bei seiner Tournee 1997 verwendet, doch die neue Software zauberte teilweise sehr bizarre Effekte auf die LED-Schirme. Gleichzeitig tauchten die Scheinwerfer den über die Bühne wabernden Nebel in blau, gelb und rot. Jerome steuerte äußerst fingerfertige Soli zur Melodie bei.

Bei Souvenir Of China wurden die Türme in orangerotes Licht getaucht, auch die roten und gelben Laser strahlten wieder. Am Himmel blühten Feuerwerksblumen, deren orangegoldene Fäden langsam heruntersanken. Am Ende stiegen dann noch einmal Fontänen in den Himmel. Rauchschwaden vom Feuerwerk zogen hinter den Türmen vorbei und wurden von den Skytrackern angeleuchtet, was sehr eindrucksvoll aussah.

Jarre setzte nun zu einer Erklärung über Oxygene und das Thema Umwelt an, als hinter den Türmen noch etwas Feuerwerk am Himmel explodierte. Dieses Feuerwerk sei nicht politisch, scherzte Jarre daraufhin. Er betonte, dass er in Fürst Albert eine andere Person gefunden habe, die sich auch sehr für Umweltbelange interessiere. Wie alle wüssten, würden sich Albert und seine Frau sehr für die Umwelt einsetzen, auch durch den Bezug zum Mittelmeer. Das nächste Stück könnte das Publikum kennen, meinte er schließlich. Natürlich folgte nun Oxygene 4. Die Scheinwerfer leuchteten in blau und weiß und auf den LED-Wänden bewegte sich ein Ausschnitt der Erdoberfläche. Auch hier gab es wieder Feuerwerk: glitzernde Sterne regneten vom Himmel.

Nun kam der etwas schräge  Teil des Abends: Oxygene 5 war das nächste Stück. Die Türme wurden in dunkelblaues Licht getaucht, während die Laser in grün und orange wild rotierten. Scheinwerfer und „Augen“ blitzten abwechselnd in gelbem Licht. Wilde gelbe und blaue faden- oder kabelartige Linienmuster bewegten sich auf den LED-Schirmen. Jarre hängte sich wieder den Memorymoog um und gab den wilden „Gitarristen“. Das ist zwar immer ganz nett anzusehen, aber für die Ohren doch eher gewöhnungsbedürftig und mittlerweile auch ein wenig ausgereizt. Hier wäre noch Potenzial für Änderungen der Trackliste. Während die Türme nun in den monegassischen Landesfarben rot und weiß blinkten, ging die Musik in Variation III über. Jarre gab hier wieder den verrückten Wissenschaftler und schraubte wild an seinen Geräten herum. Hierzu hatte er sich auch wieder eine Brillenkamera aufgesetzt. Der ARP 2600 hatte sich aber auch diesmal wieder verstimmt und gab zunächst recht schräge Töne von sich.
Noch gab es keine Entlastung für die Ohren, denn mit einem ausgedehnten Theremin-Solo ging es weiter, während kreisförmige Streifenmuster über die Leinwände waberten, die ein wenig an die Saturnringe erinnerten. Es folgte Equinoxe 4.

(Fortsetzung folgt)
  • Chronologie 1
  • Das frisch getraute Paar...
  • Fürstin Charlène
  • Oxygene 2
  • Die Augen von Monaco...
  • Magnetic Fields 1
  • Equinoxe 5
  • Feuerwerk bei Equinoxe 5
  • Rendez-Vous 3
  • Laser Harp
  • Magnetic Fields 2
  • Monaco In Concert...
  • Souvenir Of China
  • Oxygene 4
  • Oxygene 5 / Variation III
  • Theremin Solo

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Kommentar von Thorsten P. | 27.07.2011
Hallo Jarre-Fans!

Nachdem ich erfahrten hatte, dass Euronews das Konzert live überträgt, war ich zwar gespannt. Allerdings war meine Erwartungshaltung eher nicht so spektakulär. Aber schon die Eröffnungssequenz versprach ein tolles Konzert zu werden. Und so war es dann auch. Ich habe alles voll aufgedreht und die Songs total genossen. Super fand ich mal wieder, dass Equinoxe 5 und vor allem Vintage live gespielt wurden. Vintage hätte sich auf dem Teo & Tea-Album auch gut als Long-Version geeignet. Es gehört wirklich zu den besten Live-Events von JMJ. Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass Jean Michel's Musik nach so langer Zeit Zig-Tausende Menschen so in seinen Bann zieht. Gigantisch!
Kommentar von Marcus K. | 21.07.2011
Hallo alle zusammen,

mich hat das Monaco Konzert stark an Berlin erinnert, schon bei Chronologie 1 kamen Erinnerungen hoch. Als dann später noch Chronologie 4 kam war ich einfach nur platt. Ich hätte es bestimmt sehr bereut wenn ich nicht Live dabei gewesen wäre. Monaco zählt zu den Besten Konzerten die ich je gesehen habe. Einfach nur Genial.

Gruß Marcus
Kommentar von Frank | 20.07.2011
und nochmal ohne Vorgeplänkel, beginnend mit dem Countdown:

http://www.youtube.com/watch?v=xhrOkO3naaI
Kommentar von Frank | 20.07.2011
ACHTUNG:

Habe das komplette Konzert auf YouTube entdeckt!!!

http://www.youtube.com/watch?v=YB1Vg-_27O4&feature=related

Mit dem Programm Freestudio einfach kostenlos downloaden.

:-)
Kommentar von Der Thomas mit dem gelben T-Shirt | 19.07.2011
Toller Bericht Matthias, kommt mir vor als wäre es gestern gewesen. Das Konzert wird eh lange in Erinnerung bleiben.